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Ein Leben für die Tiere ging vor die Hunde

Ein Memorial und Album für Anneliese Kammerer

Die Begründerin und Partnerin von Transanimal verstarb
am 12. Juli des Jahres 2003 auf tragische Weise.

 

Anneliese Kammerer
Porträt in Pastell von Helena Czedekowska, Wien
(prämiert auf Ausstellungen in London, Paris und Wien)


Ich versuche hier, in einem Mosaik aus vielen bunten Steinchen das Bild einer faszinierenden Frau darzustellen und eine wahre, jedoch tragische Geschichte ohne Happyend zu erzählen. Denn Anneliese Kammerer, um die es sich handelt, ging über ihrem Einsatz für Tiere zu Grunde und für ihr Leben gilt mehr denn je das Zen-Wort, wonach der Weg das Ziel ist.

Ich lernte Anneliese Kammerer im Jahr 1965 in der Universitätsklinik in Freiburg kennen. Sie war bildhübsch und elegant und in einem eigenen neuen BMW 1800 in einer Führungsposition für die Düsseldorfer Dr. Carl Hahn GmbH unterwegs, die damals die traditionelle Frauenhygiene und Babypflege mit den Marken o.b. und Mölny revolutionierte, während ich für das Pharmaunternehmen Merck Darmstadt tätig war.

Wir verstanden uns bei einem Schwätzchen auf Anhieb und es kam sofort zu einem Tauschhandel mit Decoderm und anderen Merck-Präparaten für Mensch und Tier gegen Mölny-Windeln für meinen neugeborenen Sohn. Als sich noch herausstellte, dass wir beide mit der Familie im Raum Karlsruhe wohnten, wurde dieses zufällige Treffen der Beginn einer jahrzehntelangen Freundschaft.

Bei einem zunächst gelegentlichen und dann regelmäßigen Pils vom Fass im Albtal bei Karlsruhe, bei dem sie ihren Mann und ich meine Frau mitbrachte, sowie bei späteren Besuchen in ihrer eleganten Wohnung bestätigte sich der sprichwörtliche erste Eindruck: Von Anneliese Kammerer ging eine Faszination aus. Sie war eine schöne und intelligente Frau mit einem ausgesprochen angenehmen und freundlichen Wesen und mit einer ungekünstelten Natürlichkeit. Zudem war sie mit Power ausgestattet und liebte neben gradlinigen, vitalen Männern mit Ecken und Kanten insbesondere schöne und schnelle Autos, Hunde und Pferde.

Über dieser Trias mit Autos, Hunden und Pferden hatte Anneliese Kammerer ihren Mann kennen und lieben gelernt, als man gemeinsam im Sportwagen zu Hunde- und Pferdeveranstaltungen im In- und Ausland fuhr.

Der nicht immer pflegeleichte und bequeme, aber stets aufrichtige KDK hatte schon etwas auf dem Kasten und war damals ein Ass in der Pharmaindustrie und in allen großen Kliniken der Bundesrepublik durch klinische Prüfungen und Fortbildungsveranstaltungen für Ärzte und Hilfspersonal im Namen eines der führenden Weltunternehmen dieser Zunft quasi zu Hause. Natürlich auch in der Freiburger Uni-Klinik, in der er insbesondere mit den Leuten der Herz- und Gefäßchirurgie auf Du und Du stand, ein Umstand, der sich in traumhaften Millionenumsätzen für ihn auswirkte.


Für Klaus Dieter und Anneliese Kammerer
wurden jedoch Pferde, Hunde und Katzen zum Schicksal.

 

 

Die Hunde

Als Anneliese mit dem Irish-Setter Ali ihren ersten und gleichzeitig ihren Traumhund erworben hatte, wollte sie zwangsläufig auch einmal den Deckrüdenbesitzer und seine Hunde mit dem Vater ihres Welpen sehen und kennen lernen. KDK war seinerseits einige Zeit zuvor seinem Traumhund, dem Irish-Setter Ingo, im Karlsruher Tierheim begegnet, nachdem der als Findelhund zum Skelett abgemagerte, später jedoch prächtige Rüde einem Hundefänger von der Polizei abgenommen worden war. Seit dem ersten Besuch von ihr in dem im Park eines ehemaligen Markgräflichen Palais gelegenen Zwinger in Karlsruhe waren Klaus und Anneliese Kammerer bis zum Tod von Anneliese im Juli des vergangenen Jahres zusammen und erlebten gemeinsam ihre Leidenschaft für englische Vorstehhunde und englische Vollblutpferde.

Die Eheleute Kammerer besaßen damals eine Reihe von Irish- und Gordon-Settern, mit denen sie in den Jahren 1960 bis 1980 keine größere Veranstaltung in Europa ausließen. Man züchtete, stellte aus und brachte die durch Berufsabrichter oder auch selbst abgerichteten Hunde auf Jagdgebrauchsprüfungen heraus. Das waren in jener Zeit noch wundervolle, unverweichlichte Hunde aus echtem Schrot und Korn.

 

Irish-Setter Ali
Jagdgebrauchshund, Deckrüde und
Schicksalshund

Porträt in Öl von Anneliese Meyer-Wagner, Königstein


Hierbei ging man zunächst traditionelle Wege nach alter Väter Sitte und verwirklichte dann aber auch in avantgardistischer Weise neue Erkenntnisse der Ernährungsforschung. Anneliese zog ihre Welpen mit natürlichen Methoden und selbst einen Wurf mit 13 an der Zahl ohne Amme und Probleme auf. Sie fütterte die Welpen und Junghunde in ihrem sehr schönen und großflächigen Zwinger, der eine intensive Bewegung der Hunde in Licht und Luft ermöglichte, überwiegend mit Haferflocken, Reis und Teigwaren sowie rohem und gekochtem Fleisch aus dem Schlachthof (u. a. Herz, Leber, Niere, Pansen, Euter), Kalbsknochen und kannenweise frischer Vollmilch, die früher noch offen in großen Aluminiumkannen in die Milchgeschäfte geliefert und von dort gleichermaßen abgeholt wurde, während die Hunde zu Hause in der Wohnung in der Regel neben diesen Grundnahrungsmitteln mit einer Kinderportion ihrer eigenen, exzellenten Nouvelle Cuisine mit Gemüse und Obst versorgt wurden. Dazwischen gab es für alle Hunde die Tischreste der Gäste einer benachbarten Hähnchenbraterei, dagegen keinerlei Skeletterkrankungen, Magen- und Darmstörungen oder gar Allergien. Anneliese übte als gelernte Diätassistentin und Spezialistin für die Aufzucht von Säuglingen und Kleinkindern aufgrund ihrer ernährungsphysiologischen Kenntnisse Zurückhaltung bei den vitaminisierten Mineralstoffpräparaten und vermied bei allen ihren Hunden jeglichen Schnickschnack und Firlefanz.

Die Hunde aus diesen Würfen überlebten alle die damals noch verheerenden Seuchenzüge der Stuttgarter Hundeseuche (Leptospirose) in Süddeutschland, während andere Hunde wie die Fliegen im Herbst starben. Auch ein Welpe, der nach der Geburt schon reglos und kalt und von Anneliese mit einer Herzmassage wiederbelebt worden war, erkrankte bei seinem neuen Besitzer im Gegensatz zu dessen anderen Hunden nicht. Den Käufern ihrer Welpen wurde übrigens durch einen schriftlichen Vertrag unter einem ausbedungenen Rückkaufsrecht die Haltung in der Wohnung oder allenfalls in einem Zwinger von mindest 15 qm Fläche vorgeschrieben.

Anneliese machte sich bereits vor vier Jahrzehnten bei etlichen Vereins- und Verbandsobristen unbeliebt, da sie die Parforce-Methoden der Abrichtung angeprangert und Mauscheleien auf Ausstellungen aufgedeckt hatte, als Bundessieger mit den eigens zu diesem Zweck verpflichteten Richtern abgesprochen worden waren. Sie wurde aus dem Verein für Pointer und Setter ausgeschlossen und war schneller wieder Mitglied wie die ohnehin sehr kurze Ausschlussprozedur gedauert hatte, da das angerufene Landgericht Wiesbaden den Ausschluss ohne lange zu fackeln wegen schrankenloser Willkür und Verweigerung des rechtlichen Gehörs durch den Vereinsvorstand aufhob.

Mit dem Gordon-Setter Don gelang der erste große Wurf. Der Rüde brillierte sechs Jahre lang auf Ausstellungen und bis zu seiner Nierenerkrankung auch auf Prüfungen, während sein Leben tragisch endete. Der damalige Kleintierpapst Hans-Georg Niemand in Mannheim – ein arroganter Halbgott in Weiß – hatte ihm anlässlich einer Routineuntersuchung durch eine Schmutzkatheterisierung mit seinem hochresistenten Laborkeim – einem Proteus mirabilis – eine Pyelonephritis (Nierenbeckenentzündung) zugefügt, die selbst der aufwendigen Behandlung mit häuslicher Intensivstation und einem Aufwand von mehr als DM 25.000,-- trotzte.

 

Gordon-Setter Don
Weltsieger, Europasieger, 5-facher Bundessieger,
Internationaler Champion, Deutscher Champion,
Champion de France, Champion de Monaco,
Mehrfacher Gewinner der Trias San Remo, Monte Carlo, Menton,
Mehrfache Preise auf dem Salon d’Agriculture in Paris,
30xCACIB im In- und Ausland,
Mehrfache Platzierungen auf Field-Trials im In- und Ausland.

Porträt in Öl von Anneliese Meyer-Wagner, Königstein


Mit der neu entwickelten Nalidixinsäure (Nogram) – einer Vorläuferin der heutigen Gyrasehemmer (Ciprobay) – stand zwar eine gegen gramnegative Keime hochwirksame antibakterielle Substanz zur Verfügung, die jedoch mit schweren Nebenwirkungen belastet war. Art und Umfang der Neurotoxizität bei Mensch und Tier waren vom Hersteller Winthrop in der Standardbroschüre für Ärzte verschwiegen worden. Die bei Don aufgetretenen akuten und lebensbedrohlichen Herzrhythmusstörungen mit wechselnden Tachykardien und Bradykardien von/bis 220 bzw. 30 pro Minute und gleichzeitigen totalen Arrhythmien machten über 2 Wochen eine Überwachung rund um die Uhr erforderlich. Anneliese nahm Urlaub und saß bis zur Beendigung der akuten Symptomatik Tag und Nacht neben ihrem parenteral mittels Infusionsflaschen ernährten und mit einem Dauerkatheter versehenen Hund und dem Monitor und steuerte mit Injektionen die entgleisten Herzbewegungen, die innerhalb von Minuten auf über 200/min hochschnellten, um dann auf 25-30/min abzufallen. Da von der Neurotoxizität auch die peripheren Nerven und die Augen betroffen waren, konnte der Rüde bis zum Ansprechen einer hochdosierten Therapie mit den neutrotropen Vitaminen B1, B6 und B12 weder gehen und stehen, noch sehen.

Als sie danach mit Mann und Hund im Sportwagen zur Erholung nach Amalfi fuhr, schleppte sie in einer Kühltasche die Injektionsampullen des Breitbandpenizillins Carbenicillin (Anabactyl) mit, das dort über die Dauer ihrer Anwesenheit in einem der Kühlschränke des Hotels neben den Filets und den Fischen lagerte. Anneliese hielt ihren heißgeliebten Don trotz seiner schweren Erkrankung mit einer chronischen Harnwegsinfektion und zunehmender Niereninsuffizienz fünf Jahre bei einem für den Hund erträglichen Dasein am Leben und ließ ihn erst von ihrem Mann mit einer Ampulle Morphin in den Hals einschläfern, als wirklich nichts mehr zu machen und das Leben für den Rüden nicht mehr erträglich war. In dem Kunstfehlerprozess vor dem Landgericht Mannheim und Oberlandesgericht Karlsruhe wurde der renommierte Kleintiermediziner Niemand von seinem Kollegen Wilhelm Brass aus Hannover – dem späteren Direktor der dortigen Kleintierklinik – aus Standessolidarität mit einem vorsätzlichen Falschgutachten und einem Sachverständigenmeineid herausgehauen. Professor Brass hatte auch verschwiegen, dass er mit seinem Kollegen Niemand heimlich in Verbindung gestanden und von ihm gefälschte Karteikarten und Briefe erhalten hatte, die später anlässlich einer Akteneinsicht von dem Rechtsanwalt der Eheleute Kammerer gefunden wurden, da sie Brass versehentlich in den Akten hatte liegen lassen. Dieses Verfahren und seine Begleitumstände waren das Anfangsmotiv für die Aversionen der HD-Professoren Brass und Loeffler gegen die Eheleute Kammerer. Der später in Hohenheim tätige Professor Klaus Loeffler war damals noch Assistent in Hannover. Immerhin gaben diese Vorkommnisse den Kleintiermedizinern der Bundesrepublik Anlass, in Klinik und Praxis wie in der Humanmedizin sterile Einmalkatheter einzusetzen und aseptische Kriterien zu beachten, während zuvor von den Veterinären bei den Untersuchungen der Harnwege allseits geschludert worden
war.

Ein kleines Intermezzo gab Anneliese mit ihrem Kater Tom. Da hatte die Kätzin des Nachbarn in Schneeregen, Wind und Kälte einen Winterwurf, in dem der kleinste und schwächste Welpe mit einer Lungenentzündung am Eingehen war. Sie nahm den kleinen Kerl in die Wohnung, richtete ihm ein Körbchen und gab ihm zunächst mit einer Pipette kleine Mengen Haferschleim und dann ebenfalls mit der Pipette das penicillinasefeste und staphylokokkenwirksame Breitbandpenizillin Ampiclox, das in dieser Form auch für Frühgeborene und Säuglinge in den Kliniken zur Verfügung stand. Der kleine Kerl kam durch, blieb im Haus, erhielt den Namen Tom und war bis zu seinem Tod im Alter von siebzehn Jahren lebenstüchtig und nicht mehr krank gewesen. Damit widerlegte sie auch den Neodarwinismus unserer Tage von der unnützen Aufzucht lebensuntüchtigen und lebensunwerten Lebens durch die neuzeitliche Medizin.

Dann gelang mit dem Jahrhundert-Hund Carol der ganz große Wurf. Diese Erfolgsstory begann mit einer kleinen Intrige. Da die Züchterin Heidi Riedl in München dem Deckrüdenbesitzer und noch zwei anderen Interessenten die erste Wahl versprochen hatte, die aber in Wirklichkeit nur Anneliese zustehen sollte, erzählte sie dem Jägersmann Amon aus Wien, dass der Welpe Carol beim letzten Gewitter Angst gezeigt hätte und in die Hütte geflüchtet sei. Den anderen Leuten erzählte sie, dass der kleine Kerl ein schlechter Fresser und nicht fit sei, womit alle von Carol Abstand nahmen.

 

Franz Anton Amon und Killy, Wien,
beide aus echtem Schrot und Korn


Die gesamte Existenz von Carol wurde jedoch von der »Macht des Schicksals« bestimmt und basierte auf einer Fortune nach kämpferischem Einsatz: Da ließ sich der Gordon-Züchter und passionierte Jägersmann Franz Anton Amon nach mehr oder weniger erfolgreichen züchterischen Bemühungen »nur zur Jagd« in einer engen Kiste vom Hundehändler aus England einen jungen Gordon-Rüden kommen. Mit Killy besuchte er im Atelier der Kunstmalerin Helena Czedekowska in Wien die ihm bekannten Eheleute Kammerer, als diese dort zu Besuch waren. Da von dem jungen Gordon eine Faszination ausging, empfahlen sie ihn als Deckrüden in Deutschland, auch Hedi Riedl in München. Die spätere Paarung mit deren Hündin Ondra, die beileibe keine Schönheitskönigin oder ein Schickimicki-Mädchen, sondern eher eine derbe, aber freundliche Oktober-Fest-Bedienung war, ergab infolge einer sehr hohen Blutkonzentration des Gordon-Rüden Peter of Crombie von der 6. bis zur 9. Generation eine zufällige Rückkreuzung auf diesen legendären englischen Gun-Dog von echtem Schrot und Korn. Ein Rüde von echtem Schrot und Korn war auch Killy, sowohl im übertragenen, als auch in wörtlichem Sinn, denn er war im Wesen hart wie Krupp-Stahl und saß vom Kopf bis zur Schwanzspitze mit inoperablem Schrot voll, nachdem er auf der Jagd in einen Schuss gelaufen und diesen Unfall nur knapp mit einigen ausgeschossenen Zähnen überlebt hatte.

Dann erkrankte Carol im Welpen- und Junghundalter an einer bis dahin nicht bekannten Skeletterkrankung, als deren Ursache von KDK mit aufwendigen Untersuchungen eine jugendliche Schilddrüsenüberfunktion nachgewiesen werden konnte. Er kam durch eine frühzeitige Diagnose und eine gezielte Therapie durch, während sein Wurfbruder Clarence die gleiche Erkrankung nach einer beidseitigen Femurkopfresektion durch den bekannten Kleintierchirurgen David in Wien nicht überlebte.

KDK erwies sich einmal mehr als veterinärmedizinisch sehr beschlagen und fand mit seiner Publikation in der renommierten »Kleintierpraxis« über die erste in der Literatur beschriebene juvenile Hyperthyreose beim Hund weltweite Beachtung. Der damalige Nestor der Kleintiermedizin und Direktor der Veterinärmedizinischen Universitätsklinik in München – Professor Dr. Konrad Ullrich – beglückwünschte ihn zu der »schönen Arbeit«. (vgl. Kleintierpraxis 18, 19-23; 1973)

 

 


Als Carol behandelt und wiederhergestellt worden war, gab ihn Anneliese auf Empfehlung zur Abrichtung zu einem zuvor sehr erfolgreichen Berufsabrichter. Der versprach, den Rüden aufgrund seines außergewöhnlichen Talents gleich auf der letzten Verbandsgebrauchsprüfung (VGP) des Jahres im Alten Land bei Hamburg zu führen. Als am Prüfungstag Abrichter und Hund zwar angeblich zur Prüfung gefahren, dort bis zum späten Nachmittag nicht angekommen waren, aber auch keine Unfallmeldung vorgelegen hatte, schwante Anneliese Böses. Sie rief die Polizei in Würzburg an und erfuhr von den Beamten des der Wohnung des Abrichters nächst gelegenen Reviers, dass der Mann gerade im Wirtshaus saß, dass er psychisch erkrankt sei und dass die Kripo und die Staatsanwaltschaft gegen ihn wegen verschwundener Hunde und anderer Dinge ermitteln würden. Sie boten die sofortige Unterstützung durch die Beamten des Reviers nach ihrer Ankunft an. Dann raste Anneliese in ihrem Sportwagen bei Nacht und Nebel – es war November – über Hamburg nach Würzburg, während ihr Mann auf einer Tagung in London war, drang kurz nach Mitternacht, ohne die Polizei abzuwarten, mit einer Taschenlampe in die Scheune mit den Boxen der Hunde ein, rief: „Carol, Carol“, schnappte ihren Rüden ohne lange Begrüßung am Kragen, als sein neugieriger Kopf mit den lohfarbenen Abzeichen über den Augen im Lichtkegel der Lampe am Gitter aufgetaucht war, warf ihn auf den Beifahrersitz und fuhr gerade noch rechtzeitig davon, denn der Abrichter kam um die gleiche Zeit vom Wirtshaus zurück und fuhr nach 500 Metern an ihr vorbei. Später stellte sich heraus, dass Carol vollständig heruntergekommen war, pfundweise mit Würmern (470 g gewogen) voll saß und eine gebrochene Rute hatte. Trotz allem hatten beide Glück im Unglück.

Nach diesen mit Glück und Geschick überstandenen Ereignissen bei der erfolglosen Abrichtung und seiner Erholung von den gesundheitlichen Beeinträchtigungen mit der gebrochenen Rute folgte bei Carol eine Bilderbuchkarriere. Sein Debüt auf Ausstellungen startete er als junger Hund schon kurze Zeit später mit einem 2. Preis auf der Welthundeausstellung in Paris.

Dann wurde er von den Eheleuten Kammerer in einem sehr schönen Niederwildrevier am Rhein bei Karlsruhe selbst abgerichtet und auf Prüfungen geführt. Hierbei stand die weite Suche des englischen Vorstehhundes im Vordergrund des Geschehens. Die Schnelligkeit und Ausdauer der Pointer und Setter wurden zu allen Zeiten mit den Leistungen des englischen Vollblutpferdes verglichen. Der mit einer ungewöhnlichen Vigour ausgestattete Carol war in der Tat ein echter Vollblüter unter den Hunden und konnte eine Stunde ohne Unterbrechung galoppieren.


Gordon-Setter Carol
Weltsieger, Europasieger, Bundessieger,
Internationaler Champion, Deutscher Champion,
Champion de France, Champion de Monaco,
Winner Amsterdam,
Sieger Wien,
Gewinner der Trias San Remo, Monte Carlo, Nice,
2. Preis Welthundeausstellung Paris,
1. Preise auf Jagdgebrauchsprüfungen im In- und Ausland,
Champion der Schönheit, der Leistung und der Zucht.

 

Anneliese Kammerer
bei der Siegerehrung in Monte Carlo
durch Fürst Rainer und Fürstin Gracia Patricia

 

Carol brachte als Säule der Zucht von den
englischen Vorstehhunden die meisten Nachkommen
in das Deutsche Gebrauchshundestammbuch (DGStB)


Carol war bei Anneliese immer mit von der Partie, auch in der nachfolgend beschriebenen Zeit der Normandie, und bis zum Alter von 10 Jahren durchweg gesund. Die dann aufgetretene Erkrankung wurde in der Tierklinik der Universität Hohenheim nicht geklärt, da sich Professor Klaus Loeffler einmal mehr als guter Kongressredner, denn als guter Tierarzt erwiesen hatte. Die Behandlung endete mit einem Eklat und dem Tod von Carol, da sich die Assistentin Helga Brehm – die spätere Buchautorin – weigerte, eine Bluttransfusion in Anwesenheit von Anneliese und ihrem Mann durchzuführen und die Eheleute Kammerer daraufhin und sofort anschließend den Rüden in der Kleintierpraxis Essig in Sindelfingen einschläfern ließen und auf einem geradezu idyllischen Tierfriedhof über dem Rhein in der Pfalz begruben. Mit einer Anämie von 2 Mio. Erythrozyten und einem Hämoglobin von 10 g hatte Carol ohne Blutübertragung keine Überlebenschance. Die Doktorin Brehm hatte ganz offensichtlich versäumt, das Fremdblut rechtzeitig zu disponieren und wollte die Kammerers mit ihrem Hund hereinlegen. Diese Affäre führte zum vollständigen Bruch mit dem Hohenheimer Professor, der bis dahin Kunde der Eheleute Kammerer gewesen war und ihr Kalziumpräparat Canical eingesetzt hatte, auch bei den Polizeihunden in Stuttgart.

Auf Carol folgte bald sein Enkel Iason, bei dem Carol sowohl väterlicher, als auch mütterlicher Großvater war. Dieser Rüde war der perfekte Haus- und Begleithund schlechthin und vereinigte in sich die charakteristischen Eigenschaften seiner Vorgänger. Von Carol hatte er dessen Extrovertiertheit und Fröhlichkeit geerbt. Sein ererbtes Talent bewies Iason schon als Welpe, als er an der Oberkasseler Brücke in Düsseldorf in den Rhein bei Hochwasser gefallen war und – obwohl erstmals im Wasser – die Angelegenheit ohne fremde Hilfe mit Bravour meisterte.

Auch Iason starb wie sein Großvater im Alter von 10 Jahren und zwar an einer Myokarditis (Herzmuskelentzün-dung), als Folge einer Parvovirus-Impfung. Immerhin konnte Anneliese mit einer konsequenten und gezielten Be-handlung – u. a. mit dem Herzpräparat Lanitop – das Leben des Rüden wesentlich verlängern. Es handelte sich um einen Impfstoff von Merrieux, von dem ihr später noch ähnliche Fälle berichtet wurden.

Anneliese stellte mit über 100 CACIB sowie zahlreichen Championaten und Siegertiteln einen Ausstellungsrekord für englische Vorstehhunde auf. Sie besuchte erstmals als deutsche Ausstellerin die FCI-Ausstellungen in Wien, Rom, Nervi, San Remo, Monte Carlo, Menton, Nice und Paris und traute sich auch nach Amsterdam in die Höhle des Löwen. In Amsterdam traf sich nämlich alljährlich die Elite der Gordons aus ganz Europa.

Sie war die perfekte Ausstellerin schlechthin und zelebrierte ihre Hunde geradezu, jedoch nicht durch ein Aufbau-en, sondern mit einem gestalteten und einstudierten Bewegungsablauf des Hundes im Ring. Die Hunde wurden noch kurz vor Schauen gebadet und erhielten in der Woche zuvor täglich eine Ampulle des B-Komplex-Präparats Polybion, wodurch die Behaarung ganz seidig und lackglänzend wurde. Da der Altmeister Waldemar Marr als Richter für Pointer und Setter bei den von ihm gerichteten Hunden sich eine besonders gute Rippenwölbung er-wünschte, gab Anneliese ihrem Don vor einer Bundessiegerausstellung abends nichts mehr zu essen und dafür am nächsten Morgen 1 Pfund Hackfleisch, wodurch sich infolge des vollen Magens auch die Rippen schön wölb-ten. Der alte Fuchs, der den Braten gerochen hatte, tätschelte ihr schmunzelnd bei der Übergabe des CACIB-Scheins den Arm und sagte: „Eine sehr schöne Rippenwölbung hat er heute.“

Dennoch war Anneliese keine fanatische Ausstellerin. Sie verband mit den Hundeschauen stets ein kulturelles Ambiente und fuhr nicht etwa allein der Hunde wegen nach Paris, sondern machte einen Wochenendurlaub, den sie zunächst für kulturelle Veranstaltungen und den Besuch von Galerien und Museen nutzte. In Menton besuchte sie vor der Hundeausstellung die dortige Picasso-Ausstellung und danach am Abend die Hazienda mit Hammelkeule vom Spieß und in Rom am Tag der Ausstellung morgens die Sixtinische Kapelle und abends die Via Veneto und ein Luxusrestaurant. Den CACIB-Schein für den Hund holte sie sich ganz auf die Schnelle zwischendurch.

 

Die Pferde

Noch in der Zeit von Carol lernte Anneliese reiten und erwarb dann den im wahrsten Sinn des Wortes bildschönen Schimmel Pascha.

 

Schimmelwallach Pascha


Bei diesem Wallach stellte KDK erneut seine veterinärmedizinische Beschlagenheit unter Beweis. Pascha hatte sich nämlich bei einer Keilerei mit einem anderen Wallach auf der Koppel mehrere oberflächliche Wunden zuge-zogen, in die Clostridien eindrangen und zu dem gefürchteten und bei Mensch und Tier meist tödlich verlaufenden Gasbrand führten.

 

Schimmelwallach Pascha


Anneliese ließ das Pferd zu einem Behandlungsversuch in die Universitätstierklinik in Freiburg bringen und ihr Mann rastete aus, als er die medizinisch völlig unhaltbaren Maßnahmen sah. Er setzte nach einer Beinahe-schlägerei mit den dortigen Assistenten durch, dass ein Dauerkatheter gelegt wurde und Pascha eine Carben-icillin-/Gentamycin-Kombination (Anabactyl+Refobacin) mit 60 g Carbenicillin und mittels zweimaliger Kurzin-fusion täglich erhielt, während sich um die gleiche Zeit Professor Zeller von der Pferdeklinik der Tierärztlichen Hochschule Hannover in dem Gefühl sonnte, mit der Einführung von täglich 5 g des verwandten Ampicillin gegen die Infektionen des Pferdes eine berauschende Leistung vollbracht zu haben. Kurzum: Pascha kam als erstes Pferd überhaupt bei einer Gasbrandinfektion durch.

Der Freitag, der 13. Februar 1976 wurde danach zum Schicksalstag für Anneliese und ihren Mann und veränderte ihr bisheriges Leben. Da lag im Stroh des noch schnell zuvor angemieteten Stalles ein schönes Hengstfohlen, das seine Mutter ohne menschliche Hilfe vorzeitig zur Welt gebracht hatte und hat bringen wollen, wie dies auch andere Stuten oft tun. Es war die Folge eines Diagnosefehlers des Gestütstierarztes Gerweck, des Präsidenten der Landestierärztekammer von Baden-Württemberg, denn die ehemals erfolgreiche und tüchtige Vireusa hatte Fertilitätsstörungen und wurde deshalb vom Gestüt Martinshof aus der Zucht ausrangiert und zur Verwendung als Jagdpferd an KDK abgegeben, war aber dennoch gedeckt und unbemerkt trächtig geworden.

 

Vireusa schlägt bei 4 Starts und 4 Siegen
Fine Girl in München über 1.200 m (oben links)
und gewinnt nach Kampf das Sachsen-Weimar-Rennen
in Baden-Baden über 1.600 m (unten rechts)


Die Vollblutstute Vireusa war väterlicherseits eine Enkelin des legendären Tourbillon und entstammte mütterli-cherseits der Linie der Blanche, der Mutter von Blandford, und damit einer der »familles d’élite« (Mutterlinie 3 o).

Vireusa wurde auf der Rennbahn in Iffezheim trainiert und hatte infolge der Fehleinschätzung des Trainers und ih-rer Rolle als Skandalnudel nur eine kurze, jedoch erfolgreiche Rennlaufbahn. Sie sollte in München für die Stall-gefährtin Fine Girl das Führpferd spielen und war offiziell am Totalisator dazu erklärt worden. Dazu war die Enke-lin des heißblütigen Tourbillon aber nicht bereit: Sie ließ sich von ihrem Jockey Manfred Prinzinger in der End-phase des Rennens nicht zurückhalten, zog durch und schlug überzeugend Fine Girl, die damals beste Fliegerin Deutschlands. Damit war der Wettskandal perfekt, denn die Rennleitung und das Publikum glaubte dem ohnehin als Zocker bekannten Jockey nicht. Später glaubte ihm nur KDK, der mit Vireusa vor Feststellung der Trächtig-keit noch Fuchsjagden gewonnen hatte.

Vireusa brachte Anneliese nach Virilo nur noch das Wunschkind Viriletta und starb dann buchstäblich durch die Hand eines Tierarztes. Der Pferdetierarzt Botz hatte gerade in Königsbach bei Karlsruhe die beste und moderns-te Tierklinik Deutschlands eingerichtet und konnte damit aber nicht umgehen: Nach einer 2-stündigen Bauch- und Cholikoperation wusste der Veterinär mit der Beatmung und der postoperativen Behandlung nicht weiter und stell-te die Geräte einfach ab und lief davon. Daraufhin tat die Mutterstute mit einem Fohlen von 6 Wochen bei Fuß ih-ren letzten Atemzug. Es war für Anneliese danach eine heikle Angelegenheit, das keinen Wunsch auf Exterieur und Charakter offen lassende Fohlen ohne Mutter aufzuziehen. Es ging jedoch alles gut.

Vireusa lebt jedoch als zweifache Großmutter in ihrem Enkel Viriletto und ihrer Enkelin Vireusina weiter.

 

Virilo als Fohlen
 


Virilo beim ersten Hufbeschlag


Damit Virilo nicht allein aufwachsen musste, erwarben die Eheleute Kammerer weitere 4 trächtige Stuten aus den »familles d’élite« und die Vollblutzüchterin wider Willen ging zunächst mit der Aufzucht von 5 gesunden Fohlen in ihrer neuen Tätigkeit auf.

Virilo wuchs in einer idyllischen Umgebung in den Ausläufern des Schwarzwaldes als einziger Hengst unter 4 Stutfohlen heran, wurde im Jährlingsalter von seinem ständigen Betreuer zu Hause eingeritten und dann aufgrund sehr guter Trainingsleistungen auf der Rennbahn in Iffezheim für den Badener Jugendpreis, einem hochdotierten Debütantenrennen, vorbereitet. Das Rennen verlief für ihn aber unglücklich, da er in der Startmaschine hängen blieb und sofort zu Beginn etwa 10 Längen zum abgehenden Feld verlor und abgeschlagen als Letzter abkam. Dennoch erregte er Aufsehen, da er das Rennen aber nicht als Letzter, sondern inmitten des Feldes beendete und bei einem für ihn günstigen Rennverlauf gewonnen hätte.

Dagegen wurde Virilo einige Zeit später beim Aufgalopp für den Prix de Condé in Longchamps und bei günstigem Rennverlauf in Köln Letzter. Er war aufgrund weiterer sehr guter Trainingsleistungen, bei denen er ältere und sehr gute Pferde glatt stehen ließ, von Anneliese für dieses Gruppe I Rennen in Paris im November gemeldet und für ihn ein englischer Starjockey aus Newmarket verpflichtet worden. Statt dessen sollte er nunmehr zum Saisonausklang in Frankfurt mit dem Jockey-Lehrling Hansi Müller aus München im Sattel ohne Siegabsichten nur mitlaufen. Virilo lief aber mit dem von ihm akzeptierten Reiter im Arbeitsgalopp und mit gespitzten Ohren an die Spitze und gewann in einer Zeit, mit der er am gleichen Tag auch in Longchamps gewonnen hätte.

 

Virilo gewinnt den Preis vom Palmengarten in Frankfurt
über 1600 m in der Spitzenzeit von 1.42.00 min.

 

Virilo gewinnt ganz überlegen die Trial-Stakes über 1.600 m
in Frankfurt als Derbyvorprüfung
 

Virilo gewann im darauffolgenden Jahr in Frankfurt erneut mit dem Lehrling Hansi Müller ganz überlegen die Trial Stakes und war hinter dem Ausnahmepferd Königstuhl im Messe-Preis platziert. Er war in dem guten Jahrgang 1976 einer der Besten und hatte im Deutschen Derby gegen Königstuhl, der später erstmals die Deutsche Triple Crown gewann, zumindest eine Platzierungschance und wegen der besseren Steher-Qualitäten im St. Leger so-gar eine Siegchance. Wegen einer rheumatischen Sehnenscheidenentzündung konnte er leider nicht teilnehmen und musste überdies seine Rennkarriere vorzeitig beenden.

Der »Rennstall des kleinen Mannes« der Eheleute Kammerer mit den Irish- und Gordon-Settern hatte sich quasi in null Komma nichts in einen Galopprennstall verwandelt und Anneliese musste sehen und erleben, dass weit mehr wie bei den Hunden Erfolg und Misserfolg sowie Freude und Leid dicht nebeneinander liegen. KDK absolvierte vor der Landwirtschaftskammer Rheinland die Prüfung als Pferdewirtschaftsmeister mit der Note 1 in Veterinärmedizin und erlangte die Trainerlizenz. Mit Virilo und den Trial Stakes gab er seinen Einstand als Trainer.

Anneliese erwarb zunächst für DM 50.000,- die bis dahin sehr erfolgreiche und gesunde Steeplerin Ready, ge-wann mit derem erstem Rennen in ihren blausilbernen Farben auch ihr erstes Rennen überhaupt und musste 2 Monate später mit ihr die Stutenherde verstärken, weil Ready als eine der besten Steepler Deutschlands sich in Iffezheim schwer verletzt hatte.

Dann erwarb sie für DM 100.000,-- den wundervollen Jährlingshengst Black Forest, der 2-jährig bei seinem Debüt ein mitreißendes Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte, nach Zielfoto Zweiter wurde und dann im Derby, für das er am Wettmarkt als einer der Favoriten gehandelt wurde, wegen eines Doping-Skandals mit verheerenden Folgen für ihn nicht teilnehmen konnte.

 

 

Der im Arabertyp stehende und irgendwie an den Rapphengst Ben Rih von Karl May erinnernde Black Forest war zum Publikumsliebling avanciert, auf den die Stallburschen in Iffezheim ihr letztes Geld setzten. Als heißer 14:10 Favorit hatte er in Krefeld Blei an den Füßen und wurde Stockletzter. Dann stellte sich durch den ehemaligen Doping-Papst Manfred Donike in Köln und durch die auf eigene Faust von KDK betriebenen Untersuchungen heraus, dass 3 Tätergruppen an dem Pferd manipuliert hatten. Zunächst der eigene Trainer, der um jeden Preis gewinnen wollte, dann der schwarze Buchmacher aus Baden-Baden, der bei einem Sieg von Blacky viel Geld verloren hätte, mit Neuroleptika und schließlich die überregionale Turf-Mafia, die durch ein Depot-Präparat mit Progesteron einen Derby-Favoriten ausschalten wollte.

 

Black Forest als Rekonvaleszent


Black Forest kehrte nach zwischenzeitlichen, beidseitigen Meniskusoperationen als erster Galopper überhaupt nach derartigen Eingriffen 4-jährig auf die Rennbahn zurück, ohne an seine frühere Form anzuknüpfen. Er wurde aber mit mehreren Siegen und zahlreichen Platzierungen ein dankbarer Handikapper, der seinen Hafer allemal verdiente.

Um die gleiche Zeit machte Aischa bundesweite Schlagzeilen, als sie in Frankfurt sensationell gewann und hierbei ihren Amateurrennreiter buchstäblich ins Ziel trug, denn der hatte nach einem vorgehenden Saunabesuch des Gewichts wegen Krämpfe erlitten und konnte sich bis ins Ziel nur mit Mühe in Sattel halten, um sofort anschließend vom Pferd zu fallen.

 

 

Die von Anneliese zusammengestellte Stallapotheke enthielt alles für den Notfall:

Verbandsmaterial und alle weiteren Dinge zur Wund-, Infektions- und Schmerzbehandlung: Analgetika, Anti-phlogistika, Spasmolytika, Breitbandpenizillin, Cortison, Spritzen, Nadeln, Thermometer und Stethoskop.

 

Die Stallapotheke von Anneliese Kammerer


Da Vireusa aufgrund ihrer Fertilitätsstörungen schon gar nicht von dem vorgesehenen auswärtigen Hengst gedeckt, sondern in ihrem Heimatgestüt dem eigenen Deckhengst zugeführt worden war, wollte es der Zufall, dass sich bei dieser Paarung eine sehr hohe Konzentration des Blutes von St. Simon ergeben hatte, der als der größte Zuchthengst aller Zeiten gilt und die Vollblutzucht wie kein anderer geprägt hat. Da er alle seine Rennen mit Leichtigkeit und großer Überlegenheit gewann, lautete der ständige Richterspruch:

»St. Simon first, the rest nowhere«.

Somit wurde Virilo wie St. Simon, bei dem auch viele und ähnliche Zufälligkeiten zu seiner Existenz geführt hatten, zu

»le fruit du hasard«

zu der Frucht des Zufalls.

 

St. Simon
Chef de Race
Erfolgreichster Zuchthengst aller Zeiten

Portrait in Öl eines englischen Meisters


In ihrer Enttäuschung über die entgangene Derby-Teilnahme und die vorzeitig beendete Rennkarriere verfiel Anneliese auf die waghalsige Idee, in der Normandie mit Virilo als Etalon und weiteren Zuchtstuten aus den »familles d‘élilte« eine Rückkreuzung auf St. Simon vorzunehmen und zog mit den Pferden und dem Hund Carol nach Deauville, während ihr Mann in Düsseldorf mit Pharminco die Berufstätigkeit ausübte und hin und her pendelte.

Die Körordnung des Direktoriums für Vollbutzucht und Rennen stammte noch aus Kaisers Zeiten und sah als Mindestleistungsmarke zur Zuchtzulassung für Deckhengste einen Generalausgleich (GAG) von 95 kg vor, den Virilo bis dahin noch nicht erreicht hatte und deshalb in Deutschland als Deckhengst nicht zugelassen werden konnte

Anneliese erhielt dagegen im liberalen Frankreich, dem im 20. Jahrhundert in der Welt führenden Vollblutland, vom Haras National die Zulassung ihrer selbst gezüchteten Hengste Virilo und Teddyboy als Etalons und setzte damit die in Deutschland begonnene Zucht fort.

Dann erfolgte ein weiterer schwerer Schlag. Sie hatte in ihrem 2. Jahrgang den auf den weltberühmten Nearco 4x4 ingezogenen und nach ihrem Lieblingsurlaubsort Amalfi benannten Hoffnungsträger Amalfitano, der im Preis von Europa in Köln, dem ehemals höchstdotiertesten Rennen der Bundesrepublik und zu dem er bereits eine Nennung hatte, nach ganz hervorragenden Trainingsleistungen auf den vorderen Plätzen mitmischen sollte und zu diesem Zweck in Chantilly trainiert wurde.

Der Hengst verunglückte jedoch im Training tödlich. Er erlitt einen Splitterbruch der Hinterhand und wurde ohne Einwilligung der Eheleute Kammerer, die ihn mit dem aus München eingeflogenen Pferdechirurgen Breuer ope-rieren lassen und für die Zucht retten wollten, von den dortigen Veterinären und dem Trainer dem Rossschlächter übergeben.

Als der Trainer in seinem Wohnzimmer der aus Deauville herbeigeeilten Anneliese den Scheck vom Pferdemetzger übergab, nahm sie das Tischfeuerzeug, hielt den Scheck darüber und verbrannte ihn langsam mit Tränen in den Augen.

In einem Essay in der »Sportwelt« im Jahr 1998 wurde unter der Überschrift

»Die Macht des Schicksals – ein weitgehend ungeklärtes Phänomen«

unter zahlreichen Beispielen aus der Geschichte der Vollblutzucht ein weiteres Pferd von Anneliese beschrieben, von dem es u. a. hieß:

»Das Pedigree wies neben anderen großen Namen der französischen Zucht wie
Sicambre eine Häufung von Tourbillon-Blut, eine heute nicht mehr zu beschaf-
fende 4x4 Inzucht auf die legendäre La Mirambule sowie eine 5x5 Inzucht auf
den zweifachen Arc de Triomphe-Gewinner Brantome auf.«

»In der Tat wies das feurige Ross nach den zahlreichen Beschreibungen, Ab-
bildungen und Gemälden in Typ und Exterieur eine frappierende Ähnlichkeit
mit St. Simon auf und es hatte auch anscheinend dessen charakteristischen,
schwierigen Charakter, wobei die Menschen des 19. Jahrhunderts so ein
Pferd wie den jungen Hengst als elektrisches Pferd bezeichnet haben müs-
sen, wie es von St. Simon berichtet wurde.«

Die Mutter dieses Hengstes, der zusammen mit ihr aus Sicherheitsgründen hier anonym bleiben soll, war von Anneliese unter dem Aspekt des hochgesteckten Zuchtziels als weitere Partnerin von Virilo gesucht und unter zahlreichen Stuten schließlich gefunden worden. Sie war eine bildschöne Fuchsstute und von der Rennbahn nach mehr als 50 Rennen über 4 Saisons und etwa 25 Siegen und Platzierungen gesund in die Zucht gegangen: »une dame de fer« bzw. eine eisenharte Lady.

Sie hatte nur einen Nachteil, nämlich eine genetische Neigung zu Zwillingsgeburten und es bedurfte schon echter tierärztlicher Kunst, nach vorhergehenden Verfohlungen bei der dritten Trächtigkeit das Fohlen als Zwilling nach manueller Abtreibung des anderen in der Gebärmutter durchzubekommen.

Anneliese war damals mit ihrem Haras Vireusa auf einer Dependance des weltbekannten, ehemaligen Dupret-Gestüts die kleine Nachbarin des großen Jean-Luc Lagardére, eines Großindustriellen und Präsidenten von France Galop. Dessen Gestütsmeister hatte bei einem Koppelunfall erste Hilfe geleistet, wodurch sich nähere Kontakte ergaben, bei denen in erster Linie gefachsimpelt und über die Rückkreuzungen auf St. Simon und die frappierende Ähnlichkeit dieses Poulain mit dem großen Vorbild gesprochen wurde, das von der 6. bis zur 11. Generation mehr als sechzigfach unter seinen Ahnen vertreten war.

Durch einen unwahrscheinlichen Zufall und eine nahezu unglaubliche Fortune hatte sie eine Duplicata von St. Simon erhalten, gewissermaßen eine Art biologischer »Reinkarnation«, zu der die züchteri-schen Planungen allenfalls die äußeren Voraussetzungen bzw. Rahmenbedingungen hierzu geschaf-fen hatten.

Eines Tages stand ein japanischer Reeder, der nebenan auf Besuch war, vor ihr, um die weitere »fruit du hasard« mit dieser außergewöhnlichen Abstammung und der Ähnlichkeit mit St. Simon in Exterieur und Charakter zu be-sichtigen. Kurz darauf erhielt sie eine Einladung zum Abendessen in das zum Casino gehörende elegante Res-taurant Siro am Strand von Deauville.

Zwischen dem Dessert und dem obligatorischen Café zückte der Reeder seine Brieftasche mit dem Scheckheft, schrieb einen Scheck über FF 1.500.000,- und schob ihn Anneliese hin. Dann sagte er, dass er damit gerne den Poulain kaufen möchte. Das war mit umgerechnet DM 500.000,-- noch ein durchschnittlicher Preis auf der Aukti-on in Deauville für einen Jährling aus einem der führenden Vollblutgestüte. Anneliese schob den Scheck wortlos zurück, worauf der Japaner einen neuen Scheck über FF 3.000.000,- ausstellte und ihn ebenfalls wortlos über den Tisch schob, um ihn auf gleichem Weg erneut wortlos zurückzuerhalten. Dann wiederholte sich das Spiel mit einem Scheck über FF 10.000.000,- = zehn Millionen französische Francs. Dieses Mal brach Anneliese das bei-derseitige Schweigen und sagte:

„Pardon Monsieur, ich möchte Sie nicht kränken. Das Pferd kann aber selbst Sheikh Mohammed al Maktoum für das gesamte gelbe und schwarze Gold von Dubai nicht kaufen.“

Sheikh Mohammed war als Ölprinz von Dubai und vielfacher Milliardär mit über 1.000 Vollblütern in der Zucht und im Rennstall der Welt größter und erfolgreichster Pferdebesitzer. Anneliese dagegen war als kleine Züchterin in ihrem Idealismus für umgerechnet mehr als 3 Millionen Deutsche Mark nicht zu kaufen, obwohl sie in Anbetracht ihrer Auslagen und Kosten das Geld schon nötig gehabt hätte und dringend hätte gebrauchen können.

Eines weiteren Tages sah ein Startrainer aus Chantilly anlässlich eines Besuchs auf dem Hippodrom von Deau-ville den kleinen, bulligen Moscardo beim Préentrainement und ließ Anneliese wissen, dass er den Poulain gerne zu sich übernehmen würde. Anneliese fiel aus allen Wolken und gab Moscardo für FF 12.000,-- monatlich in das Etablissement dieses Trainers, wo er neben einem Arc de Triomphe-Gewinner in seiner Boxe stand und mit dem und anderen Cracks der Gruppe I zusammen im Lot auf die Bahn ging.

 

Im Wald von Chantilly bei Paris liegt
eines der schönsten Trainingszentren der Welt

 


Nach 4 Monaten sagte der Trainer:

„Ich bin mit Moscardo zufrieden und werde ihn behalten. Er wird zwar nicht ganz an der Spitze stehen, aber gleich dahinter.“

Bis zur Registrierung der französischen Couleur sollte Moscardo in Deutschland einige kleinere Aufbaurennen bestreiten, wo er auch sogleich in einer kämpferischen Partie nach Zielfoto eine Platzierung errang.

Dann kam wie bei Amalfitano an einem sonnigen Samstagmorgen die Nachricht, dass Moscardo einen Trainings-unfall hatte. Anneliese brachte ihn selbst von der in der Nähe von Karlsruhe gelegenen Trainingsbahn in Herxheim in der südlichen Pfalz in die Tierklinik, wo ein Bruch des Schulterblatts festgestellt wurde und außer seiner Ein-schläferung für Moscardo nichts mehr getan werden konnte.

Als kurz darauf auf der Rennbahn in Köln-Weidenpesch die Stute Vincia in einen Rennunfall verwickelt war, sah Anneliese das Geschehen als Macht und als Wink des Schicksals und stellte den Rennbetrieb ein, um sich auf die Zucht zu konzentrieren. Im Endkampf glitt im Schlussbogen der vorne liegenden Vincia der Boden unter den Füßen weg und sie kam mit ihrem Jockey zu Fall, worauf das übrige Feld über beide hinwegging. Die Sache endete dieses Mal auf wundersame Weise glimpflich, denn die Stute erlitt nur einige Prellungen und ihr Reiter, der spätere Champion-Jockey Androsch Starke, »nur« einen Schlüsselbeinbruch. Der Sturz hätte für beide tödlich sein können.

Die gesamten Pferde des Rennstalls wurden bis zur weiteren Verwendung in der Zucht in Karlsruhe zusammengezogen und von Anneliese bis zum Monat Februar 2003 persönlich betreut. Zwischendurch wurde mittels einer von den Dinos ausgehenden Polit-Intrige versucht, die Pferde zu konfiszieren. (vgl. »Ein Thriller«)

 

Vollbluthengst Athaviro
 

 

Fotos in Kürze

 

Vollblutengste Louviro und Viriletto
 

 

Vollblutstute Vireusina
mit ihrer Betreuerin Sabrina

 

 

Fotos in Kürze

 

Vollblutstuten Louvirette und Vincia
 

 

Vollbluthengst Louboy
 

 


Der Lebensstil

Anneliese liebte Natur und Kultur in jeder Form und besaß auch Esskultur. Sie pflegte zu Hause die Nouvelle Cuisine, verschmähte aber auch auswärts die traditionelle Kochkunst in gehobenen Restaurants nicht und kannte vom Demel in Wien, über Heinemann in Düsseldorf bis zu Leclerc an der Place Morny in Deauville alle Patisse-rien von Rang und Namen.

Zudem beherrschte sie die japanische Kunst des Blumenstellens und besaß eine kleine, aber feine Kunstsammlung mit Originalen des 19. und 20. Jahrhunderts: Bilder in Öl und Pastell, Aquarelle, Sti-che, Bronze, Glas, Keramik und Porzellan.

Während die elegante und moderne Wohnung in Karlsruhe mit den Arbeiten zeitgenössischer Künstler ausgestattet war,

 

 

war die rustikale, normannische Wohnung in Deauville geradezu ein Schmuckkästchen mit Werken von Künstlern des 19. Jahrhunderts

.



Der Blick ging vom Esszimmertisch auf den Yachthafen

 

Alle Fotos der Einrichtung von Elmar Wenger, Karlsruhe

 

Alexander der Große mit Bucephalos, dem berühmtesten Pferd der Weltgeschichte.

 

Das Lieblingsbild von Anneliese war jedoch das Mosaik
der Alexanderschlacht aus Pompeji im Nationalmuseum in Neapel,
von dem sie nur Postkarten besaß.

Dagegen gehörte Anneliese keiner Religion, Konfession, Sekte, Partei und keinem Verein an und stand Astro-logie und Esoterik ablehnend gegenüber. Sie sah in der Genkombination zum Zeitpunkt der Zeugung den maß-geblichen Einfluss auf das Schicksal des Menschen und nicht in irgendwelchen Konstellationen der Sterne.

Da sie sich in den verschiedenen Zweigen der neuzeitlichen Naturwissenschaft gut auskannte, war sie jedoch von einer schöpferischen Kraft der Natur überzeugt, die ihre Pläne mittels der von ihr geschaffenen Genetik und den genetischen Codes realisierte. Selbst die Entstehung des Kosmos aus dem Zustand des Urknalls sah sie unter genetischen Aspekten bis hin zum Beginn der Evolution auf der Erde.

Anneliese glaubte somit an eine »Macht des Schicksals«.

Sie arbeitete bei einem sehr hohen Anspruchsniveau für ihr jeweiliges Ziel stets härter und leistete mehr wie an-dere und legte mit körperlicher Anstrengung auch immer Hand bei allen anfallenden Arbeiten an. In ihrer Pferde-zeit dürfte sie gut und gerne einen ganzen Güterzug und 100 Waggons mit Pferdemist beladen haben.

Als Spezialistin in der Ernährung und Pflege von Säuglingen und Kleinkindern mit einer Ausbildung als Diätassis-tentin brachte sie ein fundiertes Fach- und Grundlagenwissen in die Tierzucht ein und wurde somit auch die idea-le Ergänzung und Partnerin ihres Mannes und seiner Pharminco Pharmazeutika und medizinische Instrumente GmbH, die mehr aus Hobby, denn aus Kommerz eine veterinärmedizinische Sparte unterhielt und bereits in den 70er Jahren die Welle mit dem organischen Kalzium auslöste und die Tierärzteschaft über die Risiken der relati-ven Hypokalzämie bei Pferd und Hund – dem Kalziummangel bei Phosphorüberschuss in der Ernährung dieser Spezies – informierte.

Aufgrund ihrer avantgardistischen Denk- und Handlungsweise war Anneliese der Zeit immer etwas voraus und als echte Vollblutfrau blickte sie über den eigenen Tellerrand bis zum Horizont und manchmal auch darüber hinaus.

Mit ihrer künstlerischen Neigung schuf Anneliese gewissermaßen als Bildhauerin mit ihren edlen, rassigen Hun-den und Pferden lebende Skulpturen. Ein »Schöpfungsakt vom Schreibtisch« aus nannte dies einmal der stets die feine hanseatische Art pfIegende Idee-Kaffee-Mann und leidenschaftliche Vollblutzüchter Addi Darboven in Hamburg, der auch vom »Nick« als terminus technicus für das Erfassen der genetischen Gesetzmäßigkeiten über Generationen hinweg sprach. In ihrem schon etwas pathologischen Idealismus gab sie wie die Schauspieler Omar Sharif und Eddy Constantine und viele, viele andere Millionen für Vollblutpferde bis zur Gefährdung der ei-genen Existenz aus.

Dabei erlebte sie den Sturz von Omar Sharif vom Weltstar zum Geschäftsführer des Casinos von Trouville sur Mer noch hautnah mit, als er seine gesamten Filmmillionen in Vollblüter gesteckt hatte und dann völlig verarmt mit ei-nem verlegenen Lächeln um die Lippen seine Gäste, darunter auch Anneliese, mit „Bon soir Madame, Monsieur“ begrüßte und die Hände schüttelte.

Das eigentliche Unheil begann jedoch mit dem Fortsetzungsreferat »Aktuelle Notizen über die Hüftgelenksdys-plasie des Hundes« in der »Tierärztlichen Umschau« im Jahr 1996. Da hatte KDK zusammen mit dem französi-schen Tierarzt Marc Torel als Galionsfigur die Erblichkeit der HD widerlegt und Zusammenhänge zwischen me-thodischen Fehlern der Ernährung und Skeletterkrankungen aufgezeigt. (vgl. TU 51, 8-12; 1996)

Aufgrund der weltweiten Resonanz dieses Artikels und der Weigerung des Verbandes für das Deutsche Hunde-wesen (VDH) und seiner Veterinäre, eine Diskussion darüber zu führen, sagte Anneliese zu ihrem Mann:

„Du kannst doch gut schreiben. Komm wir machen ein Buch darüber und bringen es in einer kleinen Versand-Galerie zusammen mit anderen Sachen für Pferd, Hund und Katze unter der Firmierung Transanimal heraus und unter die Leute.“

Transanimal und das Buch kamen, die anderen Sachen mit weiteren eigenen und fremden Büchern, Bildbänden, Grafiken, Stichen, Poster und dergleichen dagegen nicht. Dafür kamen die Dinos mit dem Moloch (vgl. Jahrtau-sendirrtum S. 109 ff.) und schlugen mit äußerster Brutalität zu, als es bereits im Jahr 1997 bei dem Marktführer Waltham/Effem nach jahrelanger fortgesetzter Prosperität als direkte Folge des sogenannten Schwarzbuchs zu einem Umsatzrückgang gekommen war und der erfolgsgewohnte Geschäftsführer Rainer Camphausen seine stets bombastische Pressekonferenz ausfallen lassen musste.

KDK hatte mit Leidenschaft, hervorragenden pathophysiologischen Kenntnissen und einer 40-jährigen Erfahrung im gesamten Medizinbetrieb sowie mit einem Schuss Ironie zunächst den Titel »Der Dreißigjährige Krieg« und dann »Der Jahrtausendirrtum der Veterinärmedizin« geschrieben, während Anneliese wie immer Hand angelegt hatte.

Die Eheleute Kammerer wurden mit flächendeckenden Boykottmaßnahmen und Repressalien sowie einer krimi-nellen Machenschaft nach der anderen überzogen. Das ging zunächst von Pferdeattentaten sowie Einbruch- und Datendiebstahl über Rufmord bis zum Mord an der Mutter und Schwiegermutter Minna Kammerer. Dann sollte KDK als Systemkritiker wie in der ehemaligen UDSSR mittels des als Psychiater und Klinikchef tätigen Bruders eines bekannten Ordinarius der Veterinärmedizin in einer geschlossenen psychiatrischen Anstalt verschwinden. Mit der objektiv völlig unbegründeten und haltlosen Beschuldigung der tierquälerischen Pferdehaltung und einer Enteignung des gesamten Bestandes sowie noch weiteren Maßnahmen sollten sie wirtschaftlich und sozial voll-ständig ruiniert werden. Eine dieser weiteren Maßnahmen bestand darin, unter der auf dubiose und ungeklärte Weise bei der Telekom entwendeten Internetdomain www.transanimal.com von Holland aus sodomitische Porno-graphie zu vertreiben und die Kammerers bei networksolutions und der internic – der internationalen denic – weiterhin als Betreiber zu führen, um den Anschein zu erwecken, dass diese schon recht üblen Dinge von ihnen kommen würden.

Der von KDK geschriebene Petfood-Thriller bezeichnet die näheren Einzelheiten mit wahren Begebenheiten und nackten Tatsachen: Im Monat November 2000 ließ der korrupte Polit- und Multifunktionär Ullrich Eidenmüller in seiner Eigenschaft als Dezernent für das Veterinärwesen der Stadt Karlsruhe die 7 Vollbluthengste von Anneliese rechtswidrig beschlagnahmen und von seinem sogenannten Verwaltungshelfer Terra Mater die 3 Senioren Black Forest, Teddyboy und Virilo zur Kostendeckung des Coups über einen Versicherungsbetrug qualvoll umbringen, während sie die Konfiskation der Stuten Louvirette, Vincia, Vireusina und Virigirl gerade noch rechtzeitig mit ju-ristischen Maßnahmen verhindern konnte. Der wie ein Berserker um die Pferde kämpfende und selbst mit allen juristischen Wassern gewaschene KDK holte sie mit der auch hier tatkräftigen Unterstützung von Anneliese nach einem sehr langen und äußerst harten Kampf nach 1 ½ Jahren zurück. Da kam es auch schon einmal vor, dass Anneliese für Momente die Contenance verlor und den einen oder anderen Kontrahenten aus der Szene mit dem französischen Wort »salou« belegte, was in wörtlicher Übersetzung »Scheißkerl« heißt und in Frankreich die höchste charakterliche Abwertung eines Menschen darstellt. (vgl. »Ein Thriller«)

Anneliese wurde aber auch mit ihrem Idealismus zur Gegenspielerin des Mammonismus von F. M. – phonetisch effem –, von Forrest Mars, der mit qualitativ und in der Herstellung billigem Hundefutter sowie mit der Dummheit und Faulheit der Mehrheit der Hundebesitzer ein Vermögen von mehr als 20 Milliarden Dollar angehäuft hatte. Gleichzeitig hatten sie und ihr Mann den Multi Mars/Waltham/Effem/Masterfoods als selbst ernannte »Weltau-torität für Heimtiernahrung« in der Öffentlichkeit kompromittiert und tödlich beleidigt, indem sie dem Weltunter-nehmen und Marktführer beim Petfood Stümperei und Scharlatanerie vorgeworfen und es für die Erkrankungen und den Tod von Millionen von Hunden verantwortlich gemacht hatten.

Die unter großen Schwierigkeiten herausgebrachten Publikationen »Der Dreißigjährige Krieg« und »Der Jahrtau-sendirrtum der Veterinärmedizin« wurden weltweit bekannt und zu Bestsellern. Anneliese führte eine Änderung des Konsum- und Verbraucherverhaltens in der Ernährung des Hundes herbei und löste allerorts Reformbewe-gungen aus. Da wurden die Bedarfsnormen für Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente sowie die Rezepturen klammheimlich geändert. Es kamen eine Reihe von Alternativprodukten ohne die von ihr bezeichneten methodi-schen Fehler heraus und es erschienen eine ganze Reihe von Büchern über die Ernährung des Hundes, in denen sie, wie auch in den wie Pilze aus dem Boden geschossenen Foren, totgeschwiegen wurde, während sie zwar an eigenen Rezeptbüchern arbeitete, diese aber aufgrund der zeitlichen und gesundheitlichen Belastung nicht mehr herausbringen konnte. Allenfalls wurde noch KDK in den Foren, insbesondere bei Yorkie, den Barfern und den Schäferhundlern, mit Diffamierungen niedergemacht.

Die Erlöse der Bücher dienten mit jeder Mark und jedem Euro allein dem Unterhalt ihrer Pferde. Anneliese und ihr Mann verwendeten nicht einen Pfennig oder Cent für sich. Als sich bereits vor ihrem Tod aufgrund der Fehlbe-handlungen und Tötungsversuche Ansprüche auf Schadensersatz und Schmerzensgeld an die Kliniken und ihre Ärzte abgezeichnet hatten, trat sie diese künftigen Forderungen schriftlich zu Gunsten ihrer Pferde und zu deren Fortbestand und Überleben ab, wie sie bereits zuvor die Schadensersatzansprüche wegen des Todes ihrer Hengste Blacky, Teddyboy und Virilo an ihren Zuchtbetrieb Haras Virilo abgetreten hatte.

Anneliese wurde allerdings auch vielerorts an die alten Sprichwörter erinnert, dass Undank der Welt Lohn ist und dass Freunde in der Not auf ein Lot gehen. Auf dem Höhepunkt der Boykottmaßnahmen, als alles auf der Kippe und der Untergang der Pferde und damit die wirtschaftliche und soziale Vernichtung bevorstand, fanden sie und ihr Mann nicht die geringste Unterstützung durch eine Einzelperson, eine tierärztliche Vereinigung, einen Tier-schutzverein, eine Verlagsgruppe oder einen der alternativen Petfood-Hersteller, obwohl gerade die letzteren schließlich von ihrer Tätigkeit besonders profitiert hatten. .

Dagegen wurde KDK noch von der sich Swanie (engl. Schwänchen) nennenden Swantje Simon und ihren Barfe-rinnen sowie von Astrid Ebenhoch und ihrer Gesellschaft für artgerechte Hundehaltung mit den Latrinenparolen des VDH und SV vom paranoiden Kammerer überzogen, wobei sich die dem engeren Barferzirkel angehörende Andrea Höger besonders hervortat und in Bezug auf ihn u. a. von »psychopathisch« und von »Verfolgungsblabla« sprach. Während Astrid Ebenhoch und ihr Verein mit einigen hundert Mitgliedern von 10 gelieferten Exemplaren des Jahrtausendirrtums nach über einem Jahr und mehrfachen Mahnungen schließlich 4 Bücher zurückgaben, 2 Exemplare kostenlos schnorrten und nach weiteren mehrfachen Mahnungen dann die verbliebenen 4 Exemplare letztendlich bezahlten, bezahlte Swantje Simon nach der unter dem Druck des VDH und SV erfolgten Einstellung des Vertriebs des Buches für die 10 gelieferten Exemplare überhaupt nichts. Dabei hatte sie nach einem Offen-barungseid im Februar 2001 mit ihrem Shop durch Abzocken ihrer teilweise schon etwas naiven und unbedarften Forenmitglieder durchaus wieder Geld in der Kasse. Obwohl Christoph Rabanus mit seinem »ganzheitlichen« Marengo-Hundefutter wohl den größten Nutzen von der Arbeit der Eheleute Kammerer hatte, ließen er und seine Frau keine Gelegenheit aus, den Vertrieb des Jahrtausendirrtums über ihre Händler zu boykottieren und von der angeblichen geistigen Umnachtung von KDK zu reden.  

Die »Macht des Schicksals«, von deren Wirken Anneliese stets überzeugt war, fügte es, dass sie den möglichen und wahrscheinlichen Zuchterfolg von »le fruit du hasard« mit einer Rückkreuzung und biologischen »Reinkarna-tion« auf und von St. Simon und einen Carol unter den Vollblütern als Höhepunkt ihrer Tätigkeit als Elveur nicht mehr erleben konnte. Diese Schicksalsmacht fügte es aber, dass sie aufgrund ihrer Leidenschaft, ihrer Kenntnis-se und ihrer Erfahrung in ihrem Leben für die Tiere auf ganz andere und viel höhere Art etwas für das Leben und die Gesundheit aller Hunde, Katzen und Pferde tun konnte, denn infolge der von ihr ausgelösten Reformbewegung wird sich über kurz oder lang die hohe Erkrankungsrate der ernährungsbedingten Erkrankungen wesentlich redu-zieren und die niedrige Lebenserwartung verlängern.

Somit war wieder einmal der Weg das Ziel.

Die existenzbedrohenden Boykottmaßnahmen und Repressalien der Dinos und des Moloch, der gewaltsame Tod der Schwiegermutter und die hochgradige Gefährdung ihres züchterischen Lebenswerks mit der Konfiskation ihrer Pferde sowie der qualvolle Tod ihrer 3 alten Hengste Virilo, Teddyboy und Black Forest, die sie über 25 Jahre ge-hegt und gepflegt und durch dick und dünn gebracht hatte, schlugen Anneliese buchstäblich auf den Magen und den Darm.

Bei der bis dahin kerngesunden Anneliese entwickelte sich aus einer stressbedingten und aus Zeitmangel unbe-handelten Colitis ulcerosa ein malignes Karzinom, mit dem sie nach mehrfachen und nach Verzögerungen erfolg-ten Operationen und Bestrahlungen seit dem Jahre 1998 trotzdem noch eine Lebenserwartung von etwa 10 Jah-ren hatte.

Über der weiteren Behandlung seit dem Monat Januar 2003 lag jedoch der Schatten des bereits aus der Pferde-Affäre unrühmlich bekannten Politfunktionärs Ullrich Eidenmüller, der mittels geschickt geknüpfter Beziehungs-geflechte eine eindrucksvolle Hausmacht entfalten konnte. Er war bis vor kurzem als Bürgermeister von Karlsruhe Dezernent für die Kultur, den Schlachthof, das Veterinär- und das Gesundheitswesen und riss sich dann auch noch das einträgliche Bauwesen unter den Nagel, um unter Beibehaltung der übrigen Dezernate die weniger profi-tablen Schlächter und Veterinäre abzugeben. Zudem fungierte Eidenmüller bis zu dem von ihm selbst betriebenen Sturz seines ungeliebten Parteifreundes Walter Döring im Sommer 2004 als stellvertretender Landesvorsitzender der FDP und begnügte sich somit nicht mit der Kommunalpolitik. Er machte seinen Einfluss auch auf Landesebe-ne geltend und wirkte an der Ernennung und/oder Beförderung von Justizpersonen mit. Als Aufsichtsratsvorsit-zender des Klinikums befindet Eidenmüller jedoch weiterhin über die Anstellungsverträge der Ärzte und Ärztinnen und damit über deren Karrieren.

Anlässlich einer geplanten und im Klinikum Karlsruhe im Monat Januar 2003 bereits eingeleiteten Chemotherapie wurde Anneliese von ihren Ärzten durch die Verweigerung einer sachgemäßen Behandlung und vorgenommenen unsachgemäßen Maßnahmen mit ganz groben und vorsätzlichen Verstößen gegen die Regeln der ärztlichen Kunst buchstäblich zu Tode geschunden und nach einem ausgesprochenen Leidensweg von 6 Monaten und mehreren zunächst erfolglosen Tötungsversuchen im Monat Juli 2003 letztlich doch noch umgebracht. Zunächst versuchte nach einem Abbruch der Behandlung und Entlassung aus der Klinik am 29.01.2003 und ihrer Fortset-zung nach einer Neueinweisung am 23.02.2003 der Professor Dr. Jörg Fischer von der Onkologie des Klinikums mittels der anticholinergischen bzw. parasympathikolytischen Nebenwirkung des als Adumbran ausgegebenen und zum Schlafen verabreichten Antidepressivums Saroten über eine Hemmung der Darmperistaltik einen tödli-chen Subileus bzw. Ileus (teilweisen oder kompletten Darmverschluss) herbeizuführen. Gleichzeitig ließ der Chef-arzt mittels extremer kochsalzreicher Flüssigkeitszu-fuhr ohne den Einsatz von geeigneten Diuretika sowie von Albumin und Erythropoetin eine Überwässerung des Organismus mit massiven Ödem entstehen, die ein Herz-/Kreislaufversagen oder eine ebenfalls tödliche Lungenembolie herbeiführen sollten.

Als diese Maßnahmen aufgrund der Konstitution und Robustheit von Anneliese nicht zu dem erwünschten Erfolg geführt hatten, beschlossen Eidenmüller, Fischer und der als Dritter im Bunde hinzugezogene Leitende Oberarzt Henning Langwara von der Chirurgie des Klinikums nach einer gemeinschaftlichen Absprache am 18.03.2003, ihre Patientin im Rahmen einer »medikamentösen Sterbebegleitung« heimlich mit hohen Dosen Morphin wie ei-nen Hund einzuschläfern, was an der Aufmerksamkeit der Eheleute Kammerer scheiterte.

KDK kämpfte erneut wie bei den Pferden in einer Art Nibelungentreue wie ein Berserker um das Leben seiner Anneliese. Zunächst erlangte er gegen das Klinikum und dessen  Ärzte bei der 9. Zivilkammer des Landgerichts Karlsruhe am 27.03.2003 eine einstweilige Verfügung, mit der Eidenmüller und seinen Leuten aufgegeben wurde, die nach den Regeln der ärztlichen Kunst gebotenen Maßnahmen nicht zu unterlassen. Mit einem Beschluss der 10. Zivilkammer vom 01.04.2003 und einer Durchsuchungsanordnung des Amtsgerichts beschlagnahmten der Gerichtsvollzieher und die Polizei einige Tage später am 03.04.2003 im Klinikum und in keineswegs alltäglicher Weise die Krankenunterlagen  Auf diese Weise gelangte KDK in den Besitz einer handschriftlichen Notiz von Langwara über die »medikamentöse Sterbebegleitung«, unter der heutzutage in den Kliniken im Finalstadium einer Erkrankung ein »würdevolles Sterben« unter Medikamenten (Morphin) verstanden wird.

Als Anneliese inzwischen von ihrem Mann in das Diakonissenkrankenhaus in Karlsruhe verlegt worden war, nahm Ullrich Eidenmüller Einfluss auf den dortigen Ärztlichen Direktor PD Klaus Jürgen Husfeldt, der als Chefarzt der Chirurgie für eine bei ihr infolge der schweren Behandlungsfehler und Tötungsversuche im Klinikum zwischenzeit-lich erforderlich gewordenen Operation noch schnell mehr als Euro 10.000,-- bei der Sozialversicherung abkas-sierte und in die eigene Tasche steckte, um sofort anschließend am 10./12.05.2003 die »medikamentöse Sterbe-begleitung« seines Kollegen Langwara mit einem Cocktail der Betäubungsmittel Morphin, Fentanyl und Piritramid zu praktizieren, wovon er nur durch eine einstweilige Verfügung der 8. Zivilkammer des Landgerichts und den Dro-hungen von KDK mit toxikologischen Untersuchungen, der Kripo und der Staatsanwaltschaft abgehalten wurde. .

Aufgrund ihrer besagten Widerstandsfähigkeit tötete Husfeldt seine Patientin während dieser Zeitspanne nicht, sondern legte sie nur für 8 Tage ins Koma und danach flach, denn Anneliese konnte anschließend nicht mehr gehen und stehen und sich nicht einmal mehr im Bett allein von der einen auf die andere Seite drehen. Als sie bereits im Koma mit zusammengebrochenem Blutdruck und Kreislauf bei 2 flachen, kaum wahrnehmbaren Atem-zügen pro Minute und einem auf dem Monitor ersichtlichen Blutdruck von 60/20 mmHg sowie den facies hippo-cratica (Gesicht der Sterbenden) am Rande des Todes stand oder besser gesagt lag, spritzte die Schwester Christine als blonder und pausbäckiger Todesengel noch 5 ml des Morphinpräparats MSI in den Schlauch der Elektrolytlösung und deklarierte den Inhalt der Spritze als Kochsalzlösung. 

Das konfessionelle Haus – Motto: »Wir haben einen Gott, der da hilft« – wollte seine Patientin alsdann im Koma verhungern lassen: Chefarzt Husfeldt und seine Assistentin Riem verabreichten Anneliese bis zur Beanstandung durch KDK zunächst täglich nur 1.000 ml Periplasmal als parenterale Ernährung bei einer Tropfgeschwindigkeit von 24 Stunden. Damit war zwar die Optik für den Besucher, aber nicht der Nährstoff- und Vitaminbedarf gewahrt.

Als PD Klaus Jürgen Husfeldt mit seiner Crew von Assistenten und Assistentinnen KDK am 4. Juni Hausverbot erteilt und ihn durch einen gleich mitgebrachten Polizeibeamten zunächst aus den Armen seiner todkranken Frau hat reißen und dann mit Schimpf und Schande aus der Klinik hat werfen lassen, verschaffte der sich am darauffol-genden Tag mit dem Gerichtsvollzieher und einer einstweiligen Verfügung der 10. Zivilkammer erneut Zugang zu Anneliese und ließ bei dieser Gelegenheit auch die Anwendung des neurotoxischen Gyrasehemmers Ciprofloxa-cin (Ciprobay) gerichtlich verbieten.

Die erzürnten Halbgötter in Weiß warfen dann nach weiteren Zerwürfnissen über die von ihnen gefälschten Kran-kenunterlagen auch Anneliese am 12.06.2003 von jetzt auf nachher aus der Klinik und wollten sie nach Aufbre-chen der Wohnungstür durch einen beauftragten Schlüsseldienst einfach zu Hause abladen, derweil KDK bei der 11. Zivilkammer eine weitere einstweilige Verfügung auf eine stationäre Fortbehandlung gegen das Diakonissen-krankenhaus und seine Ärzte erlangte, auf deren Durchsetzung er aber verzichtete.

Es war offenkundig geworden, dass im Rahmen der in einer medizinisch-/juristischen Grauzone in den Karlsruher Kliniken ohnehin praktizierten Euthanasie Anneliese vorsätzlich, rechtswidrig und unter Verkürzung ihrer Lebens-erwartung getötet werden sollte, obwohl bei ihr kein Zustand vorlag, der eine aktive oder passive Sterbehilfe recht-lich und moralisch gerechtfertigt hätte. Der Politfunktionär Ullrich Eidenmüller hatte handfeste persönliche Motive an dem Tod von Anneliese. Er hatte nämlich aufgrund schwerer narzisstischer Kränkungen einen tödlichen Hass auf die Kammerers entwickelt, die sich gegen ihn in der von ihm zu verantwortenden intriganten und infamen Pfer-de-Affäre durchgesetzt hatten, über der er zudem seine sicher geglaubte Fahrkarte in den Bundestag nach Berlin verlor. (vgl. »Ein Thriller«)

Als Anneliese nach einer zwischenzeitlichen häuslichen Pflege am 07.07.2003 notgedrungen nochmals für eine erforderlich gewordene Bluttransfusion die Chirurgie des Klinikums aufsuchen musste, nahm das Unheil seinen weiteren Lauf, denn der Leitende Oberarzt Henning Langwara erkannte seine große Chance, Versäumnisse nach-zuholen, alle anderen Kollegen zu übertreffen und damit zum King der Karlsruher Sterbehelfer zu avancieren. Zu-nächst verweigerte er bei der Frühvisite die Transfusion der von der Notfallaufnahme bei der Blutbank georderten Blutbeutel, die nur auf Anweisung des Chefarztes Professor Rainer Bähr nach der Intervention von KDK übertra-gen wurden.

Dann versicherte Langwara am 09.07.2003 KDK mit Ehrenwort und Handschlag, Anneliese lebend und nicht tot zurückzugeben, was zunächst bereits am Freitag der gleichen Woche und dann wegen einer zusätzlichen Beobachtung über das Wochenende am darauffolgenden Montag geschehen sollte. Die Verlängerung gegenüber dem Stationsarzt Robert Szilajtis ordnete er persönlich an.

Obwohl die Blutübertragungen bereits abgeschlossen waren, hingen am Samstag, den 12.07.2003 bereits mor-gens 8 Blutbeutel im Kranz über dem Bett von Anneliese. Es wurde nunmehr ein Transfusíonszwischenfall mit Blut manipuliert, das noch am Abend tropfte, als im zuvor eingetretenen Koma bereits alle anderen Maßnahmen beendet und selbst der Sauerstoff abgeschaltet worden waren. Zuviel und noch falsches Fremdblut führt zu einer sogenannten Über- und Massentransfusion, die ihrerseits zum Schock, zum Koma und zum Tod führt. Aus 2 Ak-tenvermerken der Praktikantin und Assistentin Katharina Opfer ergab sich später, dass die Verabreichung von Blut bis zum letzten Atemzug unter Verzicht jeglicher weiterer Maßnahmen - insbesondere einer Reanimation - abgesprochen worden war.

KDK musste an diesem Wochenende, als der Bereitschaftsrichter des Amtsgerichts seinen Dienst be-reits beendet hatte, tatenlos der heimtückischen und makabren Tötung von Anneliese zusehen. Als blonder Todesengel fungierte nunmehr die junge und ausgesprochen hübsche Assistenzärztin Elke Schreibmaier,  die sich selbst als bekennende Christin bezeichnete,  was sie aber nicht hinderte, dabei
mitzuwirken.

Als Anneliese am Vormittag nach den eingetretenen Komplikationen den nahen Tod fühlte, sagte sie zu ihrem Mann bei vollem Bewusstsein und mit einem Lächeln um die Lippen:

„Ich habe keine Angst vor dem Sterben. Mache du weiter, schreibe darüber.“

Ebenfalls mit einem Lächeln um die Lippen sank sie am Abend ins Koma mit Asphyxie (Pulsschwäche und Atemdepression) und in den Tod. In einer schlichten Trauerfeier wurde die 3. Symphonie von Lud-wig van Beethoven – die Eroica – gespielt. Da gibt es neben dem ergreifenden Trauermarsch mit sei-ner ausdrucksvollen Versöhnlichkeit im 2. Satz das Thema »Der Einzug des Helden in die Ewigkeit« Ob Beethoven beim Komponieren seines Meisterwerks daran gedacht hat, dass es auch Heldinnen gibt?


                                                                                                                                            Elmar Wenger
 

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Version of 01.11.2006                                                                                                 Klaus Dieter Kammerer

 

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